Zwergenaufstand

Zwergenaufstand – neue Konzepte für Schulen

Marika Muster · 07.07.2014

Zwerge, Hexen, Zaubersteine – kleine Kinder sind noch mit einer märchenhaften Fantasie gesegnet. Sie agieren spielerisch, pragmatisch und frei, denken noch nicht in Schubladen wie wir Erwachsene. Doch leider ist unser Schulsystem darauf ausgerichtet, genau diese Kreativität nach und nach im Keim zu ersticken. Leistungsdruck, Konkurrenzdenken und starre Vorgaben machen aus unseren „Zwergen“ kleine frustrierte Erwachsene und die Motivation aller Beteiligten (Schüler, Eltern. Lehrer) geht den Bach runter.

Manchmal werden Erwachsene aber auch zu fantasievollen „Riesen“. Sie brechen aus ihren Schubladen aus und spielen mit Gedanken. Sie kreieren Kinderwelten, in denen Lernen Freude macht. Sie gründen Lern-Oasen oder wandeln bestehende Schule nach und nach in „Zwergen-Schulen“ um. Sie nehmen die Politik zur Kenntnis, interpretieren sie aber neu. Hier drei Beispiele:

Grund- und Stadtteilschule Erich-Kästner in Hamburg-Berne: Eigenständig lernen im eigenen Tempo, individuell und gemeinschaftlich. Eine gut funktionierende Inklusion und kulturelle Bildung. Dazu fächerübergreifende Projekte (z.B. zum Thema Landwirtschaft, Buch schreiben). So macht Lernen Spaß! Ach ja: Im schön eingerichtet Bio-Restaurant gibt es Bio-Burger und andere kindgerechte Leckereien. Die Schüler drehen Filme und können Modedesign als Wahlpflichtfach wählen. Ein Schulgarten und mehrere kleine Schulzoos laden zum Verweilen ein. Und Schüler mit besonderem Förderbedarf können in der Schule von Ergotherapeuten und Logopäden begleitet werden. www.erich-kaestner-schule-hamburg.de/

Schule X in Berlin: Demokratische Schulen gehen davon aus, dass Kinder von Natur aus neugierig sind und selbst entscheiden können, wann und wo sie lernen möchten (oder auch mal gar nicht). Die Lehrer verstehen sich als Lernbegleiter und nicht als absolute Autorität. Die Kinder entscheiden (unter Anleitung) selbst, was ihnen gut tut. Sie werden auch nicht streng nach Alter getrennt. Weder stressige Noten, Prüfungen noch Sitzenbleiben gibt es hier. Und die Kinder lernen trotzdem? Ja, bestens! Auf dem Schulgelände gibt es übrigens einen Schulgarten und einen Reiterhof sowie genug Raum für Spielen, Musik und andere Spaß bringende Aktivitäten. www.demokratische-schule-x.de

Grundschule am Pfälzer Weg in Bremen: Jahrgangsübergreifender Unterricht sorgt für soziale Fähigkeiten. Die Großen helfen den Kleinen bei Partnerarbeiten. Der Unterricht ist offen angelegt: Die Zeiten sind nicht fest auf 45 Minuten getaktet sondern können fließen. Auch die Lernformen richten sich nach den tatsächlichen Bedürfnissen der Schüler und bieten Raum für eigenständiges Arbeiten und Austausch miteinander. Feste Rituale sorgen für Sicherheit und Geborgenheit sowie die Gruppenbildung. Die Kinder übernehmen auch früh Verantwortung, gestalten selbst Räume und behandeln sie daher auch respektvoll. In der Kinderkonferenz können die Schüler sich für die gesamte Schule einsetzen. Zahlreiche Kooperationen runden das Rahmenprogramm ab (z.B. „Mama lernt lesen“, Übergang zur höheren Schule, Einbindung von Sportvereinen). www.pfaelzer-weg.de

Es gibt noch viele weitere Schulen, die sich auf den Weg gemacht haben, um „zwergenfreundlich“ zu sein. Hier kannst du weiter stöbern:

http://schulpreis.bosch-stiftung.de
www.oya-online.de/search/index.html?find=schule&x=0&y=0
www.netzwerk-innovativer-schulen.de/alternative-schulkonzepte
www.freie-alternativschulen.de

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