ahimsa – gewaltfrei kochen, sprechen und kaufen

Marika Muster · 01.07.2014

Hier ein Vorgeschmack auf Heft 4, das im September 2014 erscheint.

„ahimsa“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „Nicht-Verletzen“ oder „Gewaltlosigkeit“. Der Begriff wurde geprägt, da es in einigen Religionen (z.B. Buddhismus, Hinduismus) die Vorstellung gibt, dass Gewalt schlechtes Karma (übersetzt so viel wie „Ursache-Wirkung“) erzeugt und auf einen selbst zurück fällt.
Dabei geht es um Gewalt im Handeln, Sprechen und Denken – und zwar gegenüber allen Lebewesen. Ob der Umgang mit Menschen, mit Haustieren, so genannten Nutztieren oder Kleintieren wie Insekten und Würmern, es geht immer darum, andere nicht zu töten, ihnen nicht zu schaden, sie nicht (körperlich oder geistig) zu verletzen.

Damit ist das Konzept wesentlich umfassender als beispielsweise „Tierschutz“, „Gewaltfreie Kommunikation“ (siehe auch Heft 3), „vegane Ernährung“ (siehe Rezepte), „bio“ oder „Rohkost“. Gleichzeitig ist „ahimsa“ kein festes Konzept, sondern ein fließendes. Der Grad der Gewaltfreiheit kann graduell an die eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten sowie an die äußeren Umstände angepasst werden und darf sich laufend weiter entwickeln.

Traditionell wird der Begriff daher auch sehr unterschiedlich ausgelegt. In Tibet sind die Menschen z.B. überwiegend der Ansicht ist, dass man selbst nicht töten sollte, dass aber das Essen von toten Tieren in Ordnung ist. Das liegt daran, dass es – anders als bei uns – kaum Auswahl an Lebensmitteln gibt. Die Menschen sind auf Fleisch und Milchprodukte angewiesen. Dennoch findet der Konsum sehr bewusst statt. Es werden eher wenige große Tiere (z.B. Yaks) getötet, von denen viele Menschen satt werden, als wenige kleine (z.B. Fische, Krabben).
Manche Mönche definieren für sich die Gewaltfreiheit sogar so streng, dass sie einen Mundschutz tragen und beim Laufen kleine Tierchen vor sich mit einem Besen wegfegen, um sie nicht zu verletzen. Andere ernähren sich nur von Obst, das bereits herunter gefallen ist, weil sie auch Pflanzen als Lebewesen betrachten. Solche Extreme eignen sich aber nicht für unseren westlichen Alltag, da müssen praktikablere Ansätze her.

ahimsa im Westen

Auf dem deutschen Markt kommen ahimsa-Produkte nur langsam in die Regale (bzw. Onlineshops). Zum Beispiel ahimsa-Seide (z.B. www.seidentraum.eu). Da für die Herstellung von Seide normalerweise Unmengen an Seidenraupen brutal getötet werden, indem man sie mit heißem Wasser übergießt, werden die Tierchen für die Herstellung der ahimsa-Seide aus den Konkons genommen und können weiter leben.

Ähnlich funktioniert das Prinzip von ahimsa-Milch. Normalerweise werden Mutterkühen die Kälber weggenommen. Die Kleinen landen dann als Fleisch auf unseren Tellern und wir trinken die „Muttermilch“. Bei der ahimsa-Milch dürfen die Kühe ihre Kälber behalten und es wird nur so viel Milch für uns Menschen genommen, dass die Kälber auch noch satt werden. Die „gewaltfreie Milch“ gibt es bisher leider nur in England (www.ahimsamilk.org). In Deutschland kann man das Leid der Kühe momentan nur durch eine Milchproduktfreie Ernährung vermeiden.

Dennoch kann jeder von uns in seinem Alltag „ahimsa“ praktizieren. Du kannst liebevoll mit Tieren umgehen, mit anderen Menschen und auch mit dir selbst. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten „ahimsa“ tagtäglich  zu leben – ein Lächeln an der Kasse, ein liebes Wort zum Partner, Kochen ohne tierische Produkte, faire Mode einkaufen, einen Bogen um eine Schnecke machen, die gerade auf deinem Weg spaziert und Insekten mit einem Becher (lebend) hinaus tragen. Kleine Kinder lieben übrigens diese Art des Umgangs mit Tieren und ahmen das Verhalten der Erwachsenen sofort nach.

In diesem Sinne: „ahimsa“ your live!

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